VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Anja  |  Anna  |  Erika  |  Hannah  |  Ida  |  Jacqueline  |  Jakob  |  Jana  |  Jannes  |  Johanna  |  Jojo  |  Julius

Katharina  |  Kayange  |  Lara  |  Lilli  |  Luise  |  Maren  |  Max  |  Nils  |  Sergej  |  Simon  |  Wiebke

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Ich bin im Alltag angekommen! :)

Autor: AnnaLena | Datum: 23 Oktober 2014, 14:37 | 0 Kommentare


Ich kann es selbst kaum glauben, aber so schnell verfliegen dann auch schon die nächsten Wochen. Erst einmal möchte ich eben sagen, dass der Text hier irgendwie nicht so schön formatiert wird, wie ich es gerne hätte. Das muss an meinem Programm liegen. Ich hoffe ihr steigt da trotzdem durch. Des Weiteren bin ich wohl eher die, die längere Texte schreibt, nachdem sie sich etwas länger Zeit nicht gemeldet hat. ;) So und nun kann´s auch los gehen.

Zuerst ein Event in Ho. Das Yam-Festival! Yam ist eine Art Kartoffel und wird hier zelebriert wie bei uns das Erntedankfest. Der kleine Unterschied: Vieel größer und feierlicher. Ihr müsst euch vorstellen, da kommen alle „Chiefs“ (sozusagen die Dorfhäuptlinge) aus der Volta Region in ihren schönsten Gewändern, mit einem Sonnenschirm, einer Menge an Essen für die Selbstverpflegung und einer ganzen Reihe an Begleitung auf einen riesen Platz und lassen sich dann im Publikum nieder. Und wohl gemerkt: Die sind auch wirklich ein Highlight, mehr brauchte ich auch nicht. Denn allein mit Gucken war ich gut beschäftigt. Wir waren also auf dem Festival mit einer Freundin aus unserem Chor (Pat). Sie hatte uns eingeladen (Lara, Luise und mich), mit ihr dort hinzugehen und so saßen wir pünktlich gegen 9.00 Uhr morgens auf der Tribüne. Tja witzig, es schien wohl noch nicht los zugehen, denn es musste erst mal aufgebaut werden und wir waren wohl mit die ersten. ;) „Besser zu früh als zu spät“, wie man so schön sagt. ;) Die Zeit verging und der Platz füllte sich. Der Vizepräsident, die schönsten Frauen Ghanas, die Chiefs, Fotografen und Touristen versammelten sich auf dem Gelände. Dann ging es also auch los gegen 11.00-11.30 Uhr. Nur womit!? Auf dem riesen Platz mit super vielen Menschen traten einzelne Artisten auf, die irgendetwas vorführten, das man sehr schlecht sehen konnte in den Menschenmassen. Den Sinn davon verstand ich nicht gerade, stattdessen interessierte ich mich eher für die Trachten der Leute und das Essen, das immer an uns vorbei lief. Das bedeutet, auf dem Kopf transportieren die Menschen super leckere Sachen wie Plantane Chips, Karamell-Nussstangen, Bananen, Nüsse allgemein, Kasava-Kugeln usw… Gemeinsam fraßen wir uns durch alles Mögliche durch, damit wir auch ja nichts verpassen. ;) So kam ich auch zu meinem ersten Eis, das uns auf Fahrrädern begegnet und durch hupen auf sich aufmerksam macht. Das Eis ist in einer verschlossen Plastikhülle. Als wir am Nachmittag dann zurückkehrten, waren wir fix und alle!! Zusätzlich hatte die Sonne nämlich auch eine ganz schöne Kraft.

Insgesamt geht das Yam-Festival ungefähr einen Monat. Doch dieser Tag war der Höhepunkt des Festivals und das war für uns natürlich spitze.

In der Woche drauf sahen Lara und ich uns mit Pat und Vitalis (einem anderen Freund) ein Fußballspiel an (Ho gegen Accra). Eine Frau als Schiedsrichter und Ho verlor leider 2:1. Doch wir hatten genug Spaß daran, uns zu unterhalten und wieder irgendwelche Leckereien zu probieren.

Ja und dann ging es los! Godwin wollte mit uns am Montag anfangen, die Schulen zu besichtigen, damit wir uns für eine Schule entscheiden können, um dort zu arbeiten. Und wer hätte das gedacht: Nach der ersten Schule hatten Lara und ich uns entschieden und Godwin hatte schon mehr oder weniger alles geklärt mit der Schulleiterin. Nun ist es so, dass Lara und ich zwar an der gleichen Schule aber in unterschiedlichen Streams (A und B) arbeiten. Die Schule nennt sich „Mawuli Primary School“ und geht von Kindergarten 1 und 2 bis Klasse 6. Das bedeutet, wir sind nur in einem Teil der gesamten Schule untergebracht, denn dazu gehören auch eine Junior-High-School und eine Senior-High-School. Die Schule ist bei uns direkt um die Ecke und wir laufen jeden Morgen um 7:45 Uhr zur Schule. Ich habe mich nun dazu entschieden in der Klasse 2 zu unterrichten. Der Kindergarten fällt dadurch weg. Das hat den Grund, dass selbst in der zweiten Klasse noch genug Schüler sind, die wenig English können und ich dann für mich entschlossen habe, dass es für beide Seiten keinen Sinn macht mit  meinem bröckeligen Ewe. Außerdem tue ich mich schwer mit der Gewissheit, dass die Kinder bereits im Kindergarten auf Schulbänken sitzen. Das entspricht überhaupt nicht meinen Vorstellungen, ist aber eben nicht zu ändern.

In der zweiten Klasse sind ungefähr 44 Schüler in einem der kleinsten Klassenräume. Ein weiterer Nachteil ist, dass eine richtige Trennwand zum nächsten Klassenraum fehlt und es somit wirklich schwierig ist, wenn eine Klasse singt, in der anderen Klasse den Unterricht fortzuführen. Auch die Wahrheit, dass die Kinder geschlagen werden, wenn sie im Unterricht stören oder irgendwelche Regeln nicht befolgen/einhalten etc., ist für mich teilweise schwer nachzuvollziehen. Doch es ist nicht so, dass die Lehrer das unbedingt gerne machen. Sie haben einfach unglaublich schwierige Situationen. Da muss man sich erstmal hineinversetzen. Erstens, dass einfach viel zu viele Schüler in einer Klasse sind, dann das die Klassenräume teilweise viel zu klein sind, dann das es zu wenig Pausen gibt, in denen die Kinder sich austoben können und das einfach Geld fehlt für Schulmaterialien, um den Unterricht ein bisschen bunter gestalten zu können. Denn auch wenn der Schock am Anfang groß war: Die Lehrer sind wirklich offen und sehen die Probleme selbst auch. Aber sie haben einfach keine Möglichkeiten etwas zu ändern. Und die Überforderung führt dann aus meiner Sicht dazu, dass die Lehrer die Kinder schlagen. Das störende dabei ist, es ist irgendwie ein Teufelskreislauf, denn die Kinder spüren den Schmerz für kurze Zeit und dann ist ihnen das peinlich, aber nach ein paar Minuten geht das ganze wieder von vorne los. So gewöhnen sich die Kinder an die Situation und es wird mit der Zeit als selbstverständlich aufgefasst.

Nun aber noch ein paar Worte zum Schulalltag. Der Schule fängt morgens um 8.00 Uhr an mit der Morning Essemble. Dafür stehen alle Schüler Klassenweise vor dem Schulgebäude. Es werden Lieder gesungen, unter anderem die Nationalhymne, Regeln oder Grundsätze werden vermittelt, wie zum Beispiel, dass jeder Schüler ein Schweißtuch dabei haben muss und das man darauf achten soll, dass man seine Nägel regelmäßig schneidet und sauber hält oder dass man sich nach dem Toilettengang die Hände waschen muss! Wenn die Morgenversammlung dann zu Ende ist, treffen sich häufig noch die Lehrer, um irgendwelche Tagesordnungen oder Neuigkeiten auszutauschen (im Zusammenhang mit der Schule). Dann geht es so ungefähr gegen 8.30 Uhr in die Klassen und der Unterricht beginnt. Die nächste Pause ist um 10.30 Uhr bis 11.00 Uhr. Danach folgen wieder 2 Stunden Unterricht. Nach der Pause von 13.00 – 13.30 Uhr haben die Schüler dann unterschiedlich 1-2 Stunden Unterricht. Zum Stundenplan gehört aber zum Beispiel auch das Sauberhalten des Schulhofes. Dazu gehört fegen, Toiletten putzen, Gras „mähen“-mit einem Messer und aufräumen in den Klassenräumen und auf dem Schulhof.

Mein Job nun an der Schule: Gemeinsam mit Lara bieten wir nun an drei Tagen unsere „Mobile Libary“ an. Das bedeutet, wir sitzen in der Pause mit Büchern auf dem Schulhof und verleihen sie an die Kinder, die gerne lesen möchten.

Dann bieten Lara und ich beide in unserem jeweiligen Stream ein „Reading Project“ an, bei dem wir mit den Kindern arbeiten, die Probleme beim Lesen haben. Das ist wirklich eine schöne Möglichkeit, die „schwächeren“ Schüler motivieren und unterstützen zu können. Allerdings auch eine Herausforderung, weil ich erst einmal den jeweiligen Entwicklungsstand herausfinden muss und dann möglichst noch einen kleinen Zusammenhang zum jeweiligen Unterricht aufbauen sollte.

Und überhaupt, das Unterricht vorbereiten gestaltet sich schwierig, denn mir fehlen noch Unterlagen und es kommt auch immer wieder vor, dass ein Lehrer aus der Klasse raus geht und mir die Vollmacht überträgt. ;) Ganz schön verrückt irgendwie und doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Dann darf ich also 40 schreiende Kinder in Schach halten und da ich keinen Stock verwende (zum Schlagen), ist das für die Kinder teilweise noch witziger. Sprich, die Anerkennung muss ich mir erstmal erarbeiten. So versuche ich mit den Kindern entweder am Unterricht anzuknüpfen wenn ich eine Idee habe, oder ich singe mit ihnen Lieder, wie die Lehrer das auch machen, wenn die Kinder zur  Ruhe kommen sollen (Was wäre eine Schule ohne Gesang hier! Ich glaube das ist fast unmöglich.- wunderschön). Flexibilität ist eben alles!

Tja und das war eben auch unser Programm in den letzten 3 Wochen. Denn nach der Schule haben wir auch noch immer Programm. Sei es eine Chorprobe, unser Straßenkinderprojekt, Besuch, putzen, waschen oder einkaufen. Dann kommen wir teilweise doch wirklich spät ins Bett und müssen dann vielleicht auch noch Unterricht vorbereiten. So mussten wir unsere Freunde nun schon des Öfteren auf das Wochenende vertrösten. Sprich unser Wochenende füllt sich auch von selbst und am Sonntag geht es dann auch schon wieder um 6:30 Uhr in die Kirche bis um 9:00 Uhr, bevor danach ein „Jugendtreff“ bei der Kirche stattfindet, in dem sich Jugendliche über Geschichten von Gott unterhalten oder Geschichten aus dem Alltag diskutieren.

Daher noch ein paar Worte zu unseren Bekanntschaften: Unser Nachbar „Fidel“ erzählt uns sehr viel von dem Leben in Ghana. Er studiert Lehramt und war zum Praktikum auch an der Mawuli-Primary-School. Das war für uns natürlich sehr praktisch, weil er uns alles Mögliche erklären konnte/kann. Für den theoretischen Teil, muss er Ho allerdings wieder verlassen. Nachdem er das vor einer Woche getan hatte, kam er jedoch nach drei Tagen zurück, weil er Malaria hat und zu Hause wieder gesund werden soll. Und dann kam er wieder zu Besuch und hat mit uns gekocht. Eine „Okrastew“ haben wir zubereitet, die wir dann zusammen mit Banku gegessen haben. Okra müsst ihr euch wie Schneckenschleim vorstellen, dass muss man leider so sagen und Banku ist ein Kloß aus Mehl. Zusammen schmeckt es super lecker und wir essen schön mit der Hand. Eine weitere Speise für den Nachmittag nach der Arbeit ist eine Art Kakao (bei uns nur mit Pulver-für euch einfach Milch mit Kakao) mit Gari und gesalzenen Erdnüssen. Das ist genauso köstlich! Gestern gab es dann das erste Mal Fisch bei uns im Hause zusammen mit einer Art Gari und Gemüse. Zubereitet wieder gemeinsam mit Fidel und Vitalis. Sprich um das mal zu sagen: Unsere Küche ist wirklich voll in Benutzung und es ist super interessant mit den Ghanaern zu kochen und zu quatschen. (Sie sorgen sich wirklich immer um uns. Und wenn wir keinen Besuch bekommen, dann zumindest einen Anruf, damit sie wissen, dass es uns gut geht. ;)

Ich hoffe ihr erfriert in Deutschland nicht, aber genießt den Herbst für mich mit! ;) Außerdem danke ich euch für die netten Mails oder sonstige Nachrichten, die ich von euch erhalte. Das ist wirklich sehr schön zu lesen! Und damit allerliebste Grüße aus Ghana! Lara und ich planen nun erstmal ein paar Wochenendausflüge. ;) Eure Anna