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Weitere kleinere Ausflüge, Fortschritte in der Schule und Weihnachsgestaltung ;)

Autor: AnnaLena | Datum: 07 Dezember 2014, 16:15 | 0 Kommentare

Amedzofe

Es ging nach Amedzofe zu Fidel, einem wirklich sehr gutem Freund. Fidel ist eigentlich unser Nachbar, studiert in Amedzofe aber Lehramt. Er bestieg mit uns den zweitgrößten Berg von Ghana den „GEMI-Mountain“ (German-Evangelical-Mission-Institution). Dort waren damals Deutsche Missionare die eine Kirche auf dem Berg und eine Schule in der Stadt gebaut haben. Dementsprechend trafen wir auch eine Menge „weiße“ Leute und stellten fest, dass zwei Freiwillige von den vieren aus Ho vom Roten Kreuz sind. Anschließend besichtigten wir noch einen Wasserfall, zu dem es diesmal von Anfang an steil hinab ging und wir aufpassen mussten, dass wir nicht auf unserem Allerwertesten darunter schliddern. :D Der Weg hatte sich aber gelohnt, denn ein Wasserfall ist einfach wert gesehen zu werden mit der Landschaft, den Tieren und den Höhlen drum herum.

Ada-Foah

Aber es geht gleich weiter, denn nachdem wir die Freiwilligen aus Ho (Rike und Isi) schon etwas kennen gelernt hatten, beschlossen wir zusammen nach Ada-Foah zu fahren für einen Wochendurlaub und Laras Geburtstag. Die Fahrt dorthin war schon sehr lustig, denn nach einer Stunde Trotro mussten wir umsteigen in ein Taxi und von dort aus wieder in ein Trotro, um dann mit dem Motorrad direkt zum Strand gebracht zu werden. Heeerrlich!! Ada- Foah liegt direkt am Volta Delta. Das bedeutet, direkt an der Mündung. Und genau dazwischen ist ein klitzekleiner Streifen, der ungefähr 100 Meter breit ist. Und genau dort sind die Strandhüttchen in denen die Betten direkt auf dem Sand stehen und wir schlafen durften. Einfach herrlich und wir hatten einen wunderschönen Tag. Wir trafen dort noch andere Freiwillige vom Roten Kreuz und tauschten uns aus über bisherige Erfahrungen, feierten in Laras Geburtstag am Lagerfeuer rein, welches direkt am Wasser war und nahmen ein Mitternachtsbad.

In meiner Schule

Wir hatten nicht nur tolle Wochenenden, auch die Schule ist wieder gut im Gange und die Lehrer haben eine Menge zu tun, um den Schulstoff vom Schulstreik nachzuholen. Denn die Lehrer haben bestimmte Daten, um Exams zu schreiben, die alle Klassen schreiben müssen.

Für mich ist das Reading Project eine schöne Aufgabe, um mich intensiver mit einer kleineren Gruppe von Kindern zu beschäftigen und das macht mir sehr viel Spaß. So verstehe ich von Tag zu Tag mehr, wie die Schule sich organisiert, versuche aber für mich noch eine Strategie zu finden, um meine zweite Klasse mit 44 Schülern in Griff zu kriegen, wenn Doris (meine Lehrerin) kurzfristig den Klassenraum verlässt und ich leider nicht so gut alles auf Ewe erklären kann und den Stock immer noch nicht verwende. Mir sind aber schon ein paar kleine Ansätze gelungen. Einmal mit Bonbons als Belohnung, dafür das sie ruhig waren und mir zugehört haben und ich habe mit einer Art Ball einzelne Kinder belohnt, weil ich ihn nur denen zugeworfen habe, die auf ihren Plätzen, saßen, meinen Namen nicht durch die gesamte Klasse geschrien und die Antwort für sich behalten haben. Damit konnte ich sie motivieren, auf ihrem Platz sitzen zu bleiben und mir zuzuhören. Sprich, ich habe immer wieder mal kleine Erfolgserlebnisse, die ich auf keinen Fall vernachlässigen möchte, aber es gibt einfach noch so unglaublich viel, was ich gerne besser machen würde. Eine Sache muss ich noch loswerden: Ich kann die Leute hier ja auch echt schlecht einschätzen, was das Alter betrifft, aber das ich zwischen 20 und 30 eingeschätzt werde, erstaunt mich dann doch immer wieder.

Und damit wünsche ich euch nun eine wunderschöne Advents- und Weihnachtszeit! Genießt die Kälte für mich mit, das gemütliche Einkuscheln und Beisammensein.  (Lara und ich sind auf der Suche nach einer Weihnachtspalme und auch mit Adventskalendern sind wir gut asugestattet, dank tollen Familien und Freunden. :) Zu den Mahlzeiten wiederholen wir nun alle möglichen Weihnachtslieder und versuchen uns dabei zweistimmig. Abends um 21:00 und um 22:00 Uhr läuft auch immer „Stille Nacht“ in irgendeiner Kirche bei uns in der Nähe.)Zum Wetter: Bei uns bricht auch so langsam der Herbst an und die Blätter fallen, aber das liegt nur daran, dass es immer heißer und trockener wird. Und es bildet sich irgendwie ein Dunst hier. Demnächst kommt dann wohl auch noch der Saharasand dazu, der zu uns rüber gepustet wird. ;)

Und damit ganz herzliche Trockenzeitgrüße von Annaa

 

Unser erster Kurzurlaub in Keta

Autor: AnnaLena | Datum: 07 Dezember 2014, 15:52 | 0 Kommentare


Weiter ging es eine Woche später: Eigentlich wollten wir nach Amedzofe um Fidel zu besuchen, da der aber keine Zeit für uns hatte, beschlossen wir kurzfristig nach Keta zu fahren von Freitag bis Sonntag! Da Vitalis (ein anderer Freund) uns sowieso gerne sein Elternhaus zeigen wollte, fuhren wir am Freitagnachmittag, nachdem wir Godwin überzeugt hatten, das wir auf uns aufpassen und ihn jeden Morgen und Abend anrufen, los. Mit dabei war noch Mawuli, ein anderer Freund, der wie wir unbedingt an den Strand wollte und schwimmen lernen wollte. Je näher wir an die Küste kamen, desto mehr bestaunte ich die ganzen Palmen am Wasser und die vielen Fischer. Wir kamen in Keta an, einer Stadt, die zwischen einer riesigen Lagune und dem „wilden Atlantik“ liegt. Damals war Keta für die Händler sehr praktisch, an das heute die „Prinsensten Burg“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Fort_Prinzenstein ) der Niederländer erinnert und mittlerweile direkt am Meer liegt, weil das Wasser immer näher kommt und Keta zunehmend bedroht. Doch zugegeben, ich genoss die Küste trotzdem sehr, mit dem Wasser, das mir an die Beine peitschte, dem Windzug, der mir um die Ohren flatterte und dem Rauschen der Wellen.

Am Samstag und Sonntag verbrachten ein bisschen Zeit am Strand, kamen aber leider nicht ohne Sonnenbrand davon. Am Sonntagmorgen genossen wir dann den Sonnenaufgang, für den wir extra gegen 4:30 Uhr aufstanden. (Dabei entdeckten wir im Sternenhimmel den großen Wagen!!!!-da fühlt man sich doch wie zu Hause) ;) Das Schöne am Sonnenaufgang war, das auch die Fischer aufbrachen, nachdem sie ihr Geschäft direkt am Strand neben uns erledigt hatten. Da war unsere Frage auch geklärt, was die weißen Würstchen zu bedeuten haben, die wir am vorherigen Tag entdeckt, aber glücklicher Weise nicht angefasst hatten.

Verpflegt wurden wir von Vitalis Mama und Schwester, die immer sehr liebevoll Essen zubereiteten, während uns Vitalis Vater, der schon 70 Jahre alt ist (und ich ihm niemals angesehen hatte, wie bei den meisten Alterseinschätzungen, mit denen wir ins „Klo greifen“) uns eine Menge über seine Familie erzählte. Unter anderem das sein Bruder Arzt in Deutschland ist. Wirklich total interessant.

Leider mit einer enttäuschenden Feststellung unserer Freunde am Abend nach Ankunft in Ho. Denn Lara und mir ist aufgefallen, dass wir nirgendwo alleine hindurften und sehr viel Geld ausgegeben wurde, ohne dass wir es wollten. Die Folge darauf war, dass Vitalis viel zu viel Geld von uns verlangte, aber nicht verstand, was ich ihm vorrechnete. Zusätzlich stellte sich heraus, dass wir wohl beklaut wurden und Mawuli und Vitalis sich daraufhin gegenseitig die Schuld zuschoben. Nach ein paar Tagen stellte sich Mawuli dann, aber auch Vitalis hatte uns noch seine Liebe offenbart und daraufhin waren Lara und ich komplett abgewandt. Das war eine sehr anstrengende Woche mit den Gesprächen und ich war sehr enttäuscht und traurig.

 

Ein Pat-Wochenende!

Autor: AnnaLena | Datum: 07 Dezember 2014, 14:04 | 0 Kommentare

Hallo Ihr Lieben,

nach einer längeren Funkstille melde ich mich auch mal wieder. Bei mir ist inzwischen einiges passiert und ich habe tolle Wochenendtrips hinter mir. Aber auch sonst habe ich unglaublich viel erlebt und muss mich nun erstmal sortieren, um euch daran teilhaben zu lassen. :D
Erst einmal müsst Ihr wissen, dass die Lehrer hier für ungefähr 2 Wochen gestreikt haben. So durften wir von einem auf den anderen Tag zu Hause bleiben. Da Anna an dem Wochenende beim Joggen allerdings über irgendeinen von unendlich vielen Steinen gestolpert war, ohne dies zu realisieren, bekam sie einen angeschwollenen Fuß. Somit war diese Woche sehr praktisch, um den blöden Fuß wieder auf die Reihe zu bekommen und der bekam sogar noch Privatmassagen von unserer Freundin Pat. Tja und sie war dann auch voll der Überzeugung, dass es meinem Fuß am Samstag wieder gut ging und so wurden wir um 4:30 Uhr morgens geweckt, ich wiederhole um 4:30 Uhr, und zur Sporthalle geschleppt, wo wir dann 2,5 Stunden Sport getrieben haben. Und das hatte es in sich! Ausdauer, Dehnung und Krafttraining. Eigentlich waren wir danach fix und alle, aber Pat lud uns noch zum Essen ein. Und kaum waren wir fertig mit dem Reis, gingen wir auf den Markt, um die Lebensmittel für Banku einzukaufen, welches wir dann selbst zubereiten durften. Am Abend aßen wir dann gemeinsam mit Pat und ihrem Freund in Pats Zimmer, da es anfing zu regnen. (Den Regen unter einem Blechdach zu ertragen, finde ich auf Dauer bewundernswert.) Das war ein wunderschöner Abend mit sehr tiefgehenden Gesprächen und ich bekam noch eine Fußmassage und anstatt einer Salbe verwendete sie frischen Harz. Anschließend wurde mein Fuß dann mit Limone eingestrichen (schön diese natürlichen Heilmittel). Und zum Thema Fußball: Hier wird ja sowieso schon überall Fußball gespielt und unsere Bundesliga gucken auch viele Ghanaer, aber das sie das gesamte Zimmer wie Pat voll mit Fußballern hängen haben, ist wirklich der Wahnsinn. :D (Unsere Bundesligaergebnisse werden sogar ab und zu im Radio durchgegeben!)

Am nächsten Morgen ging es dann wieder in die Kirche und am Nachmittag sollte unser Chor singen. Und zwar auf einer Beerdigung von dem Sohn eines EPSU Vorsitzenden, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Sprich eigentlich eine traurige Angelegenheit. Für uns vielleicht! Hier bedeutet das, die Leute tragen rote oder schwarze Kleider und drücken damit ihre Stimmung aus, also, dass sie trauern. Und sie weinen auch und trauern, aber der Tag der Beerdigung wird hier dann eher gefeiert und zieht sich über mehrere Tage hinweg. Dafür reist die Familie aus ganz Ghana an und ist eine unglaubliche teure Angelegenheit. Die Familien planen eine Beerdigung teilweise ein halbes Jahr vorher. Der Leichnam wird aufbewahrt in einem Beerdigungsinstitut.

Wir, als Chor und EPSU Mitglieder wurden mit einem Pickup transportiert. Eigentlich ist der nur für 6 Leute gedacht, da wir aber um die 20 Leute waren, stand der Rest hinten auf der Ladefläche und hat gesungen. Heerrlich!! Angekommen ging es auch gleich los und unser Chor sang wieder mal Lieder, die wir nicht kannten. :D Aber das machte auch gar nicht so viel, denn ich wurde immer schön zum Tanzen aufgefordert und verbrachte so knapp 2 Stunden damit, mich an den Tanzstil anzupassen (Aber ich fühle mich oft genug wie ein Sack neben den Ghanaern, die können einfach so toll tanzen.). Auf der Rücktour haben Lara und ich uns dann auch durchgesetzt und durften auf der Ladefläche mitfahren. Das fanden die alle sehr lustig, und ich auch, aber nur, weil ich oben raus ragte. :D Am Abend waren wir dann fix und alle und hatten aber ein sehr schönes „Pat-Wochenende“ genossen!

 

 

Ich bin im Alltag angekommen! :)

Autor: AnnaLena | Datum: 23 Oktober 2014, 14:37 | 0 Kommentare


Ich kann es selbst kaum glauben, aber so schnell verfliegen dann auch schon die nächsten Wochen. Erst einmal möchte ich eben sagen, dass der Text hier irgendwie nicht so schön formatiert wird, wie ich es gerne hätte. Das muss an meinem Programm liegen. Ich hoffe ihr steigt da trotzdem durch. Des Weiteren bin ich wohl eher die, die längere Texte schreibt, nachdem sie sich etwas länger Zeit nicht gemeldet hat. ;) So und nun kann´s auch los gehen.

Zuerst ein Event in Ho. Das Yam-Festival! Yam ist eine Art Kartoffel und wird hier zelebriert wie bei uns das Erntedankfest. Der kleine Unterschied: Vieel größer und feierlicher. Ihr müsst euch vorstellen, da kommen alle „Chiefs“ (sozusagen die Dorfhäuptlinge) aus der Volta Region in ihren schönsten Gewändern, mit einem Sonnenschirm, einer Menge an Essen für die Selbstverpflegung und einer ganzen Reihe an Begleitung auf einen riesen Platz und lassen sich dann im Publikum nieder. Und wohl gemerkt: Die sind auch wirklich ein Highlight, mehr brauchte ich auch nicht. Denn allein mit Gucken war ich gut beschäftigt. Wir waren also auf dem Festival mit einer Freundin aus unserem Chor (Pat). Sie hatte uns eingeladen (Lara, Luise und mich), mit ihr dort hinzugehen und so saßen wir pünktlich gegen 9.00 Uhr morgens auf der Tribüne. Tja witzig, es schien wohl noch nicht los zugehen, denn es musste erst mal aufgebaut werden und wir waren wohl mit die ersten. ;) „Besser zu früh als zu spät“, wie man so schön sagt. ;) Die Zeit verging und der Platz füllte sich. Der Vizepräsident, die schönsten Frauen Ghanas, die Chiefs, Fotografen und Touristen versammelten sich auf dem Gelände. Dann ging es also auch los gegen 11.00-11.30 Uhr. Nur womit!? Auf dem riesen Platz mit super vielen Menschen traten einzelne Artisten auf, die irgendetwas vorführten, das man sehr schlecht sehen konnte in den Menschenmassen. Den Sinn davon verstand ich nicht gerade, stattdessen interessierte ich mich eher für die Trachten der Leute und das Essen, das immer an uns vorbei lief. Das bedeutet, auf dem Kopf transportieren die Menschen super leckere Sachen wie Plantane Chips, Karamell-Nussstangen, Bananen, Nüsse allgemein, Kasava-Kugeln usw… Gemeinsam fraßen wir uns durch alles Mögliche durch, damit wir auch ja nichts verpassen. ;) So kam ich auch zu meinem ersten Eis, das uns auf Fahrrädern begegnet und durch hupen auf sich aufmerksam macht. Das Eis ist in einer verschlossen Plastikhülle. Als wir am Nachmittag dann zurückkehrten, waren wir fix und alle!! Zusätzlich hatte die Sonne nämlich auch eine ganz schöne Kraft.

Insgesamt geht das Yam-Festival ungefähr einen Monat. Doch dieser Tag war der Höhepunkt des Festivals und das war für uns natürlich spitze.

In der Woche drauf sahen Lara und ich uns mit Pat und Vitalis (einem anderen Freund) ein Fußballspiel an (Ho gegen Accra). Eine Frau als Schiedsrichter und Ho verlor leider 2:1. Doch wir hatten genug Spaß daran, uns zu unterhalten und wieder irgendwelche Leckereien zu probieren.

Ja und dann ging es los! Godwin wollte mit uns am Montag anfangen, die Schulen zu besichtigen, damit wir uns für eine Schule entscheiden können, um dort zu arbeiten. Und wer hätte das gedacht: Nach der ersten Schule hatten Lara und ich uns entschieden und Godwin hatte schon mehr oder weniger alles geklärt mit der Schulleiterin. Nun ist es so, dass Lara und ich zwar an der gleichen Schule aber in unterschiedlichen Streams (A und B) arbeiten. Die Schule nennt sich „Mawuli Primary School“ und geht von Kindergarten 1 und 2 bis Klasse 6. Das bedeutet, wir sind nur in einem Teil der gesamten Schule untergebracht, denn dazu gehören auch eine Junior-High-School und eine Senior-High-School. Die Schule ist bei uns direkt um die Ecke und wir laufen jeden Morgen um 7:45 Uhr zur Schule. Ich habe mich nun dazu entschieden in der Klasse 2 zu unterrichten. Der Kindergarten fällt dadurch weg. Das hat den Grund, dass selbst in der zweiten Klasse noch genug Schüler sind, die wenig English können und ich dann für mich entschlossen habe, dass es für beide Seiten keinen Sinn macht mit  meinem bröckeligen Ewe. Außerdem tue ich mich schwer mit der Gewissheit, dass die Kinder bereits im Kindergarten auf Schulbänken sitzen. Das entspricht überhaupt nicht meinen Vorstellungen, ist aber eben nicht zu ändern.

In der zweiten Klasse sind ungefähr 44 Schüler in einem der kleinsten Klassenräume. Ein weiterer Nachteil ist, dass eine richtige Trennwand zum nächsten Klassenraum fehlt und es somit wirklich schwierig ist, wenn eine Klasse singt, in der anderen Klasse den Unterricht fortzuführen. Auch die Wahrheit, dass die Kinder geschlagen werden, wenn sie im Unterricht stören oder irgendwelche Regeln nicht befolgen/einhalten etc., ist für mich teilweise schwer nachzuvollziehen. Doch es ist nicht so, dass die Lehrer das unbedingt gerne machen. Sie haben einfach unglaublich schwierige Situationen. Da muss man sich erstmal hineinversetzen. Erstens, dass einfach viel zu viele Schüler in einer Klasse sind, dann das die Klassenräume teilweise viel zu klein sind, dann das es zu wenig Pausen gibt, in denen die Kinder sich austoben können und das einfach Geld fehlt für Schulmaterialien, um den Unterricht ein bisschen bunter gestalten zu können. Denn auch wenn der Schock am Anfang groß war: Die Lehrer sind wirklich offen und sehen die Probleme selbst auch. Aber sie haben einfach keine Möglichkeiten etwas zu ändern. Und die Überforderung führt dann aus meiner Sicht dazu, dass die Lehrer die Kinder schlagen. Das störende dabei ist, es ist irgendwie ein Teufelskreislauf, denn die Kinder spüren den Schmerz für kurze Zeit und dann ist ihnen das peinlich, aber nach ein paar Minuten geht das ganze wieder von vorne los. So gewöhnen sich die Kinder an die Situation und es wird mit der Zeit als selbstverständlich aufgefasst.

Nun aber noch ein paar Worte zum Schulalltag. Der Schule fängt morgens um 8.00 Uhr an mit der Morning Essemble. Dafür stehen alle Schüler Klassenweise vor dem Schulgebäude. Es werden Lieder gesungen, unter anderem die Nationalhymne, Regeln oder Grundsätze werden vermittelt, wie zum Beispiel, dass jeder Schüler ein Schweißtuch dabei haben muss und das man darauf achten soll, dass man seine Nägel regelmäßig schneidet und sauber hält oder dass man sich nach dem Toilettengang die Hände waschen muss! Wenn die Morgenversammlung dann zu Ende ist, treffen sich häufig noch die Lehrer, um irgendwelche Tagesordnungen oder Neuigkeiten auszutauschen (im Zusammenhang mit der Schule). Dann geht es so ungefähr gegen 8.30 Uhr in die Klassen und der Unterricht beginnt. Die nächste Pause ist um 10.30 Uhr bis 11.00 Uhr. Danach folgen wieder 2 Stunden Unterricht. Nach der Pause von 13.00 – 13.30 Uhr haben die Schüler dann unterschiedlich 1-2 Stunden Unterricht. Zum Stundenplan gehört aber zum Beispiel auch das Sauberhalten des Schulhofes. Dazu gehört fegen, Toiletten putzen, Gras „mähen“-mit einem Messer und aufräumen in den Klassenräumen und auf dem Schulhof.

Mein Job nun an der Schule: Gemeinsam mit Lara bieten wir nun an drei Tagen unsere „Mobile Libary“ an. Das bedeutet, wir sitzen in der Pause mit Büchern auf dem Schulhof und verleihen sie an die Kinder, die gerne lesen möchten.

Dann bieten Lara und ich beide in unserem jeweiligen Stream ein „Reading Project“ an, bei dem wir mit den Kindern arbeiten, die Probleme beim Lesen haben. Das ist wirklich eine schöne Möglichkeit, die „schwächeren“ Schüler motivieren und unterstützen zu können. Allerdings auch eine Herausforderung, weil ich erst einmal den jeweiligen Entwicklungsstand herausfinden muss und dann möglichst noch einen kleinen Zusammenhang zum jeweiligen Unterricht aufbauen sollte.

Und überhaupt, das Unterricht vorbereiten gestaltet sich schwierig, denn mir fehlen noch Unterlagen und es kommt auch immer wieder vor, dass ein Lehrer aus der Klasse raus geht und mir die Vollmacht überträgt. ;) Ganz schön verrückt irgendwie und doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Dann darf ich also 40 schreiende Kinder in Schach halten und da ich keinen Stock verwende (zum Schlagen), ist das für die Kinder teilweise noch witziger. Sprich, die Anerkennung muss ich mir erstmal erarbeiten. So versuche ich mit den Kindern entweder am Unterricht anzuknüpfen wenn ich eine Idee habe, oder ich singe mit ihnen Lieder, wie die Lehrer das auch machen, wenn die Kinder zur  Ruhe kommen sollen (Was wäre eine Schule ohne Gesang hier! Ich glaube das ist fast unmöglich.- wunderschön). Flexibilität ist eben alles!

Tja und das war eben auch unser Programm in den letzten 3 Wochen. Denn nach der Schule haben wir auch noch immer Programm. Sei es eine Chorprobe, unser Straßenkinderprojekt, Besuch, putzen, waschen oder einkaufen. Dann kommen wir teilweise doch wirklich spät ins Bett und müssen dann vielleicht auch noch Unterricht vorbereiten. So mussten wir unsere Freunde nun schon des Öfteren auf das Wochenende vertrösten. Sprich unser Wochenende füllt sich auch von selbst und am Sonntag geht es dann auch schon wieder um 6:30 Uhr in die Kirche bis um 9:00 Uhr, bevor danach ein „Jugendtreff“ bei der Kirche stattfindet, in dem sich Jugendliche über Geschichten von Gott unterhalten oder Geschichten aus dem Alltag diskutieren.

Daher noch ein paar Worte zu unseren Bekanntschaften: Unser Nachbar „Fidel“ erzählt uns sehr viel von dem Leben in Ghana. Er studiert Lehramt und war zum Praktikum auch an der Mawuli-Primary-School. Das war für uns natürlich sehr praktisch, weil er uns alles Mögliche erklären konnte/kann. Für den theoretischen Teil, muss er Ho allerdings wieder verlassen. Nachdem er das vor einer Woche getan hatte, kam er jedoch nach drei Tagen zurück, weil er Malaria hat und zu Hause wieder gesund werden soll. Und dann kam er wieder zu Besuch und hat mit uns gekocht. Eine „Okrastew“ haben wir zubereitet, die wir dann zusammen mit Banku gegessen haben. Okra müsst ihr euch wie Schneckenschleim vorstellen, dass muss man leider so sagen und Banku ist ein Kloß aus Mehl. Zusammen schmeckt es super lecker und wir essen schön mit der Hand. Eine weitere Speise für den Nachmittag nach der Arbeit ist eine Art Kakao (bei uns nur mit Pulver-für euch einfach Milch mit Kakao) mit Gari und gesalzenen Erdnüssen. Das ist genauso köstlich! Gestern gab es dann das erste Mal Fisch bei uns im Hause zusammen mit einer Art Gari und Gemüse. Zubereitet wieder gemeinsam mit Fidel und Vitalis. Sprich um das mal zu sagen: Unsere Küche ist wirklich voll in Benutzung und es ist super interessant mit den Ghanaern zu kochen und zu quatschen. (Sie sorgen sich wirklich immer um uns. Und wenn wir keinen Besuch bekommen, dann zumindest einen Anruf, damit sie wissen, dass es uns gut geht. ;)

Ich hoffe ihr erfriert in Deutschland nicht, aber genießt den Herbst für mich mit! ;) Außerdem danke ich euch für die netten Mails oder sonstige Nachrichten, die ich von euch erhalte. Das ist wirklich sehr schön zu lesen! Und damit allerliebste Grüße aus Ghana! Lara und ich planen nun erstmal ein paar Wochenendausflüge. ;) Eure Anna


 

 

Meine ersten Erlebnisse

Autor: AnnaLena | Datum: 20 September 2014, 20:53 | 5 Kommentare

Meine Reise hat begonnen und ich befinde mich bereits seit knapp 4 Wochen in Ghana,
nachdem ich meine Liebsten alle verabschiedet habe. Es war ein eigenartiges Gefühl mit der
Gewissheit in den Flieger in Bremen zu steigen, dass ich meine Familie und
Freunde für ein Jahr nicht sehen werde, aber das muss man eben auch mal erleben.
Und ich hatte ja auch eine wunderschöne Abschiedsparty, die ich ganz sicher nicht so schnell vergessen werde.

Dann war es soweit! Mein erster richtiger Flug, für mich mit rieeesen Maschinen.
Nach einem kurzen Umstieg im „super KLEINEN" (Ironie) Flughafen London ging es
direkt nach Accra (zu viert). Hannah und Maren, die nach 3 Wochen weiter
Richtung Togo fahren und Lara und ich, die in Ghana bleiben. Festgestellt habe ich dabei, dass die
Flugzeugsitze nach meiner Vorstellung einfach nicht für große Leute gebaut sind.
;) Halb so wild! Nach Ankunft in Accra, Passkontrolle und Koffersuche wurden
wir super herzlich von 3 Männern und einer Frau (Godwin unserem Mentor, dem Fahrer
Sebastian und 2 Aufpassern, Michael und Julie) empfangen, die ein Schild mit
unseren Namen in der Hand hielten und auf uns zu stürmten. Stimmt, wir waren
echt nicht zu übersehen. Ein Gefühl an das man sich wirklich erst gewöhnen muss.
Wir bekamen im Auto gleich Reis mit einer schönen scharfen Soße (Stew) und
Wasser für die 4 stündige Fahrt! Ich war völlig fertig und sehr müde. Dennoch
war es einfach super spannend und auf der Straße begegneten wir immer wieder Schlaglöchern,
Menschen, Ziegen, Hunden, Hühnern oder anderen Vögeln vor denen wir (unser
Fahrer) ausweichen mussten. Sprich, der Fahrer muss sich total konzentrieren
und die Mitfahrer die Körperspannung behalten. :D In Ho angekommen gegen 2.00
Uhr (4.00 Uhr eure Zeit) wurden wir kurz in unser Hotel „Hoffmannshaus" eingewiesen.
Wortwörtlich Hotel, denn das Haus ist wirklich riesig und hat eine super
Ausstattung! Ihr müsst euch vorstellen, es war früher das Missionshaus in dem
die Freiwilligen nun immer leben dürfen. Mit Pure-Water-Packs (Plastiktüten mit
Wasser) ging es dann ans Zähne putzen. Da musste ich mich erstmal dran
gewöhnen, nur mit Trinkwasser die Zähne zu putzen. Auf der Toilette sollte man
sich daran erinnern, das Klopapier in einen Mülleimer zu schmeißen.

In der Nacht genieße ich die krähenden Hähne (die irgendwie nie die Zeit im Blick
haben), Vögel die teilweise ein Geräusch von sich geben wie ein Wecker und
anderen surrenden Tieren, aber auch immer wieder Musik, die hier irgendwie
immer und überall ist (wunderschön, nur manchmal ein bisschen laut). Ja und das war dann auch schon unsere erste Nacht! Keine 24 Stunden vorher war ich noch in Deutschland.

Am nächsten Morgen (Sonntag) wurden wir in der „Evangelical Presbyterian Church"
(E.P.C.) unserer zukünftigen Gemeinde vorgestellt, die mit gefühlten 1000
Leuten gefüllt war. Der Grund: Es wurde der Gottesdienst „General Assembly"
gefeiert, bei dem 40 Theologen gesegnet werden und nur einmal im Jahr
stattfindet. Wir als etwas verwirrte, frisch angekommene Freiwilligen begaben
uns dann also mit einem Lächeln auf die Bühne und waren dann auch wieder froh
nach so viel Aufmerksamkeit unsere Plätze wieder einnehmen zu dürfen. :D

Da wir überall hingefahren wurden am ersten Tag, seien es nur gefühlte 10 Meter, konnte
ich schon mal das Verkehrssystem begreifen. :D Also man fährt wohl rechts, aber
wenn man links abbiegen möchte, dann fährt man halt auf der linken Straßenseite.
Man fährt nach Gefühl. Wie man so schön sagt: „In der Ruhe liegt die Kraft!"
Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt. Dadurch wird am laufenden Meter gehupt
und Taxis findet man auch überall. Das mit der Ruhe könnte man sich in Deutschland auch mal angewöhnen. ;)

Und so verlief unsere erste Woche mit Haus putzen, den ersten Stromausfall erleben,
die wichtigsten Grundnahrungsmittel ausfindig machen, eine Menge Leute der E.P
Church kennenlernen, SIM Karten und Internetsticks kaufen, und die Kleidung
bewundern. Dazu gewöhnen wir uns nun auch langsam an den Tagesrhythmus! Früh
aufstehen (allerspätestens gegen 6.30 Uhr) und abends früh im Haus sein, denn
um 18.00 Uhr wird es dunkel und dann sollten wir nicht unbedingt auf der Straße
sein.

In unserem „Hoffmannshaus" haben wir häufig netten Besuch von unseren Nachbarn,
die uns entweder unterhalten, uns etwas beibringen (Kokosnuss aufschlagen,
Spiele, kochen) oder sich einfach nur nett vorstellen möchten. Allerdings gibt
es hier auch eine große Fläche sauber zu halten und wir haben uns schon mit ein
paar netten Haustieren auseinander gesetzt (Ameisen oder Eidechsen). Die
Ameisen in der Küche, wenn wir einen Krümel liegen gelassen haben und die
Eidechsen sind immer sehr schön anzusehen. Sie machen Liegestützen und bewegen
sich elegant. :D

Unser Alltag ergibt sich nach und nach. In den ersten 2 Wochen hatten wir zu viert
einen Sprachkurs für „Ewe" mit „Referent Why"! Das war total klasse und er ist
die Ruhe in Person. Zum Beispiel waren wir mit ihm einmal auf dem Markt und er
hat uns die „Ewe" Begriffe für die Lebensmittel beigebracht, mit der passenden
Satzbildung dazu, wenn wir etwas kaufen möchten. So konnten wir Zucker aus
Zuckerohren probieren und ich aß einen kleinen frittierten weißen Fisch, der
wie Chips schmeckt, nur ein bisschen weicher! Nun haben wir also ein paar
Grundkenntnisse und Hannah und Maren haben uns nach dem Sprachkurs dann auch
Richtung Togo verlassen.

Ansonsten findet jeden Morgen um 8.00 Uhr eine „Morning Devotion" eine Art Morgenandacht
statt, gedacht als Zusammenkunft, bevor man zur Arbeit geht. Wir sitzen dort
zusammen mit unserem Moderator „Francis", dem Clerk „Godwin" und anderen
Pastoren und Mitarbeiter der E.P. Church. Wir werden häufig nochmal persönlich
danach begrüßt und gefragt wie es uns geht. Wie eine Familie, das ist wirklich
sehr schön. Zusätzlich ist es auch eine Ehre, denn immerhin ist Francis der
Chef der gesamten E.P. Church!!!!

 

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