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Die Küste

Autor: AnnaLena | Datum: 03 Februar 2015, 20:24 | 0 Kommentare

„Glaube an Wunder, Liebe und Glück, schaue nach vorn und niemals zurück.
Tu das, was du willst und stehe dazu, denn dieses Leben lebst nur DU!“

Na ist das nicht ein schöner Neujahrspruch? Mit dem Motto gehe ich nun etwas verspätet in das Jahr 2015 und hoffe, dass auch ihr alle gesund und munter in das neue Jahr gekommen seid. Doch da bei mir schon wieder so einiges passiert ist, muss ich noch vor Silvester starten.

Unser Urlaub entlang der Küste begann am 26. Dezember, nachdem wir kurzerhand 20 Kilo in unseren Reiserucksäcken hatten.

Weihnachten hatten wir schon wieder hinter uns gelassen und nach einem schönen Gottesdienst am Donnerstagmorgen um 7.00 Uhr (25.12) und einem Weihnachtsfilm, um die Weihnachtsstimmung nicht gleich wieder zu verlieren ging es dann los.

Gemeinsam mit zwei Jungs (Benny und Justin) von der NGO, die auch in Ho leben ging es nach Winneba. Wir zogen ein Fischernetz mit 20 anderen Leuten aus dem Wasser (ungefähr eine Stunde) und genossen einen wunderschönen Strand mit Palmen direkt am Atlantik. So kam immer jemand vorbei, der eine Palme hochkletterte und uns Kokosnüsse brachte und ich bewunderte die Fischer, die morgens gegen 10.00 Uhr ihr Netz ins Wasser schmeißen und dann gegen 15.00 Uhr wieder rausziehen. Insgesamt dauert das um die 2-3 Stunden und von überall kommen Leute und packen mit an. Damit das ganze Spaß macht wird ein Motivationssong gesungen und es scheint so, als hätte jedes „Fischernetz“ seinen individuellen Song oder Spruch. Einfach herrlich.

Weiter ging es dann nach Cape Coast, genauer gesagt zum Kakumnationalpark! Dort wartete der „Canopy Walk“ auf uns auf 40 Meter Höhe über dem Regenwald. Wunderschön, nur Elefanten oder Affen bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Dafür lernten wir aber einige interessante Bäume kennen wie zum Beispiel den Gummibaum, den Gottesbaum, den Stachelbaum, den Knochenheilungsbaum, den Pafumbaum, den Trommelbaum (wenn man sich im Regenwald verirrt hat, kann man damit Hilfe holen in dem man mit einem Stein dagegen schlägt) und einen Baum um die Kleidung einzufärben. So fuhren wir mit einem etwas zu teurem Taxi wieder zurück nach Cape Coast, um von dort aus dann wieder zum Nationalpark zu fahren, nur auf die andere Seite.

Der Ort nannte sich Mesomagor und die Fahrt dorthin war so schön im „Nirgendwo“, dass wir anschließend alle eine Art Make-up Schicht im Gesicht hatten vom ganzen Staub. Unser Übernachtungsziel war ein Baumhaus! Die Vorfreude war groß auf ein Baumhaus, mit Moskitonetzen und Matratzen…Pustekuchen! Uns erwartete erstmal ein 2-stündiger Marsch mitten durch den Regenwald in der Abenddämmerung, den ich irgendwie im Reiseführer überlesen hatte. Doch es war eine wunderschöne Idylle und die angenehme Temperatur mit den riesigen Bäumen und den anderen Naturwundern war einfach sehenswert. Ich stelle mir immer vor, dass ich durch so eine Tropenabteilung im Zoo laufe und stelle dann immer wieder fest, dass diese „Tropenabteilung“ aber echt ist mit allen Geräuschen, Gerüchen und Gewächsen und tausend mal schöner ist. Das einzig unpraktische ist nur meiner Größe, um durch den für uns schwer erkennbaren Pfad zum Baumhaus zu gelangen. Nachdem ich dann aber meine Kleidung gut durchgeschwitzt hatte kamen wir am Baumhaus an und ich war erstmal zufrieden, dass wir unser Ziel mit unseren Rangen erreicht hatten. Doch je weiter ich auf der Leiter nach oben stieg, desto mehr wurde mir bewusst, dass dort oben nichts weiter als ein Holzboden mit Geländer war. So suchten wir untereinander Körperwärme um nicht auszukühlen. Wir waren nämlich gemeinsam mit 5 weiteren sehr netten Freiwilligen dort, die wir dann kennengelernt haben zwischen ein paar Stunden Schlaf. Aufregend und kalt! Aber die Atmosphäre war einzigartig. Wann übernachtet man eben schon mal mitten im Regenwald „irgendwo im nirgendwo“. Elefanten und Affen ließen sich auch dort leider nicht blicken, geschweige denn hören. Aber naja, Füchse oder Dachse sieht man in unseren Wäldern ja auch nicht eben mal herum spazieren.

Nachdem ich mich am nächsten Morgen darauf freute, dass das die Temperatur wieder stieg, ging es zurück, diesmal sozusagen mit dem Sonnenaufgang. Auf dem Weg aßen wir eine Kakaofrucht, natürlich nicht den Kern aus dem unsere Schokolade hergestellt wird, sondern die leckere weiß, weiche Masse drum herum. Auch bei der Gari Herstellung in einem Dorf konnten wir kurz zuschauen, denn damit machen wir uns gerne einen leckeren Nachmittagssdrink (Kakao mit Gari und Erdnüssen, wobei wir leider nur Milchpulver zur Verfügung stehen haben). Und so fuhren wir zurück nach Cape Coast City checkten in ein Hotel ein und besuchten unsere Freundin Pat auf dem großen Universitätsgelände. Die EPSU Gruppen trafen sich dort alle aus vielen verschiedenen Orten und sangen, beteten, tanzten und quatschten 4 Tage gemeinsam. Sozusagen wie eine Freizeit. Am Abend vielen wir hundemüde ins Bett und schliefen tief und fest. Immerhin hatten wir noch ein wenig Schlaf von der letzten Nacht nachzuholen.

Am nächsten Tag stand das Geschichtsträchtige und bekannte Cape Coast Castle an. Tausende von Sklaven auf unvorstellbar engem Raum ohne Fenster und Toiletten „gehalten“. Ein Leben in eigenen Ausscheidungen und Krankheiten, während der britische Gouverneur dieselbe Fläche direkt darüber für sich alleine hatte. Dazu gab es eine „door of no retrun“ durch die die Sklaven auf Schiffen in andere Länder nach Europa und Amerika „verfrachtet“ wurden und nie zurückkehrten oder starben auf der qualvollen Seereise.

Das Castle in Cape Coast ist nur eins von 50 anderen Sklavenburgen an der gesamten Küste die nach 1630 entstanden sind. Der Grund für diese Errichtungen war damals die Gier der Europäer und Amerikaner. Opfer des Menschenhandels zwischen dem 15. Und 19. Jahrhundert wurden ungefähr 60 Millionen Afrikaner! Eine sehr bewegende und gute Führung mit einem anschaulichen Museum.

Zum Verarbeiten begaben Lara und ich uns in das Baobab Restaurant, von dem das Einkommen Schulen, Kindern und weitere Aktionen zur Verfügung steht, aßen gemütlich für mich ungewohnte vegetarische Spezialitäten und schauten uns die vielen ungewohnten Weißen auf der Straße an.

Nach einem weiteren Ausflug zu dem Elmina Castle, Wasserabkühlungen im wellenreichen Atlantik und interessanten Gesprächen mit anderen Freiwilligen hatten wir auf  einmal Silvester. Ghanaisch wollten Lara und ich Silvester feiern und so wurden wir von dem Pastor der E.P. Church persönlich begrüßt und saßen in einem 6 stündigem Gottesdienst. Ich hatte bereits eine Erkältung bekommen und je später es wurde desto kälter. Von 21.00 bis 0.00 Uhr verbrachte die Gemeinde damit einen Rückblick über die verschiedenen Aktionen im vergangenen Jahr vorzutragen und um 0.00 begann dann erst der richtige Gottesdienst. Dann wurde es richtig lebendig, draußen hörten wir die Silvesterraketen und wir tanzten in der Kirche. 2015 beginnt! Gegen 4.00 Uhr lagen wir dann auch im Bett und ich stellte Fieber fest. Der 1.1 war der schlechteste Start ins neue Jahr, den ich mir hätte vorstellen können. Ich verbrachte ihn im Krankenhaus mit eine sehr herzlichen und lieben Unterstützung von Lara und Benny. Entlassen wurde ich leider auch nicht aufgrund meines Zustandes und lag somit noch zwei weitere Tage im Krankenhaus mit einer sehr netten und aufmerksamen Betreuung. Herausgestellt hat sich am Ende Malaria und somit konnten wir unseren Urlaub nicht mehr fortsetzen.

Am 4.1 ging es wieder zurück mit einer Zwischen Übernachtung in „Senya Beraku“ einer Burg direkt mit Meeresausblick. Das war ein schöner Wellness Abschluss nach meinem schlechten Gewissen und wir fuhren zurück nach Ho.

Insgesamt war es aber unglaublich, was ich in einer so kurzen Zeit erlebt habe und einfach toll! Sicherlich werde ich diesen Urlaub nicht so schnell wieder vergessen werde. Und manchmal kommen die Dinge eben sehr ungewollt und man muss das Beste daraus machen.

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